Wie dieser ehemalige Lehrer unverzichtbar für junge Inderinnen wurde

Schwäbische Zeitung, Zollern-Alb-Kurier, von Claudia Renz, veröffentlicht: 28.04.2026

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Bildung

Er unterrichtete Englisch am Gymnasium. Nach seiner Pensionierung beschritt dieser Pädagoge besondere Wege. Von seiner Heimat aus ging er in die weite Welt.

Die Pensionierung von Siegfried Henzler (82), der viele Jahre als Englischlehrer am Balinger Gymnasium unterrichtete, liegt schon eine ganze Zeit zurück und die berufliche Laufbahn, die der beliebte Pädagoge mit großen Engagement ausübte, schien Geschichte zu sein. Doch vor vier Jahren wendete sich das Blatt, als Pfarrer Jean Jose auf die Idee kam Siegfried Henzler zu rekrutieren.

Jean Jose stammt aus Tamil Nadu in Indien, hat enge Kontakte in seine Heimat und unterstützt zahlreiche Projekte mit seiner deutsch-indischen Stiftung. Die erste Schülerin war Mary Reena, die einige Zeit in Geislingen wohnte. Als die junge Mutter ihren Online-Unterricht begann, sprach sie kein Wort Deutsch, mittlerweile ist die Inderin als Kinderkrankenschwester für Frühgeborene am Klinikum in Tübingen angestellt. Ohne den intensiven Unterricht und die Sprachprüfungen A1/A2/B1 und die B2, die als Deutsch für Fortgeschrittene nur durch sehr gute Sprachkenntnisse erreicht werden kann, wäre dies nicht möglich gewesen.

Die Motivation und die Freude über den Erfolg verbindet die Schülerin und ihren Lehrer bis heute und Siegfried und Ursula Henzler freuen sich, wenn sich Mary Reena meldet und ihnen von ihrem „Traumberuf“ erzählt. Diesen Wunsch als Krankenschwester in Deutschland zu arbeiten, ist für viele junge Inderinnen der größte Traum.

Die besondere Mission von Siegfried Henzler ging nahtlos in einer katholischen Missionsschule in Kerala weiter. Als in Binsdorf das Telefon klingelte und Thomas Mar Eusebius, Bischof der malankarisch-katholischen Kirche um die Unterstützung bat, sagte Siegfried Henzler sofort zu. Die Tage der gläubigen jungen Inderinnen beginnen täglich nach der Frühmesse um 5 Uhr mit dem anschließenden Unterricht. Am Samstag können es die 17- bis 19-Jährigen kaum erwarten, dass sich ihr deutscher Englischlehrer meldet.

Durch akribische Vorbereitung sind die Kurseinheiten effektiv und effizient und die Hausaufgaben die Siegfried Henzler vorbereitet, gehen direkt an den indischen Bischof, der ein Auge darauf hat, dass die auch gemacht werden. Bischof Thomas Mar Eusebius fand in Deutschland in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen Ausbildungsstelle für sieben seiner Schülerinnen, die durch den zielführenden Unterricht die für das Visum benötigte B2-Prüfung beim Goethe-Institut in Indien bestanden haben. Mit der Kombination aus fachlicher Qualifikation, kultureller Empathie und echtem Dienst am Menschen bringen die indischen Krankenpflege-Schülerinnen genau das mit, was in der deutschen Pflege so dringend gebraucht wird.

Regelmäßiger Kontakt

Im Kontakt mit den Berufsschulen versucht Siegfried Henzler nach ihrer Ankunft in Deutschland die besten Sprachfortschritte zu forcieren. Der Kontakt mit den Pflegeschülerinnen, die in Bamberg, Nürnberg, Schwabmünchen und Lindenberg wohnen und arbeiten, ist regelmäßig. „Es ist erstaunlich, wie gerne die jungen Frauen ihre Arbeit machen,“ freut sich Henzler. „Das schönste für uns ist dass sie eine Lehrstelle haben und sich wohlfühlen,“ ergänzt Ursula Henzler, die ihren Mann bei einem persönlichen Treffen mit seinen Schülerinnen gerne begleitet und sich über die herzlichen WhatsApp-Nachrichten freut.

Bischof Thomas Mar Eusebius, der seinen Freund und Unterstützer Jean Jose, bei seinen Deutschlandaufenthalten besucht, war auch schon bei den Henzlers in Binsdorf zu Gast. Ein ganz besonderes Erlebnis hatte das Ehepaar im Januar bei ihrer Rundreise in Indien von Dehli nach Kerala. Fast 40 Personen aus der Seelsorgeeinheit Geislingen-Erlaheim-Binsdorf-Rosenfeld waren begeistert über das bevölkerungsreichste Land der Welt mit einer jahrtausendealten Geschichte. Weltberühmte Bauwerke wie das Taj Mahal, spirituelle Orte, landschaftliche Vielfalt und die freundlichen Menschen begeisterten die Schwaben.

Besuch in Kerala

Doch für die Henzlers, die die Reise als anstrengend, aber wunderschön bezeichnen, war der Besuch in der Missionsschule in Kerala das Highlight. Der Bischof schickte dem Lehrer und der Künstlerin einen Wagen und lud sie in die Missionsschule nach Kerala ein. „Die Freude bei der persönlichen Begegnung und den herzlichen Empfang werden wir nie vergessen, das war unser persönliches Highlight auf dieser Reise,“ beschreiben die Henzler dieses einzigartige Erlebnis.

Wieder zurück in Deutschland, setzt sich Siegfried Henzler fast jeden Samstag noch lieber an seinen Bildschirm und freut sich, dass der Deutschunterricht mit Indien durch das neue Glasfasernetz schnell und störungsfrei läuft. Der ambitionierte 82-Jährige möchte sein ehrenamtliches Engagement für die aus armen Verhältnissen stammenden Inderinnen, die nur durch Unterstützung eine Perspektive haben, mit dem Rückhalt seiner Frau so lange wie möglich weiterführen. Sie beschreiben ihre Motivation mit den Worten: „Wir sind glücklich über diese Arbeit. Sie macht unser Leben erfüllend, interessant und spannend.“

Zeitungsausschnitt aus Saarbrücker Zeitung zur Stiftung
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